Warning Shot (Warnschuss)
Auch: Warnschuss, Vorwarnung
Ein kurzer Satz, der ankündigt: jetzt kommt etwas Schwieriges. Gibt dem Gegenüber 1–2 Sekunden, sich innerlich zu rüsten — bevor die Nachricht selbst landet.
Worum geht's?
Der Warning Shot ist eine kleine, aber wirksame Ankündigung direkt vor der eigentlichen schweren Mitteilung. Er nimmt das Gegenüber ernst genug, um nicht ungeschützt mit einer Diagnose getroffen zu werden — und ist gleichzeitig kurz genug, um nicht durch Drumherum die Spannung unnötig zu verlängern.
Wann einsetzen?
- •Direkt vor der eigentlichen Mitteilung der schweren Nachricht.
- •Nach Setting/Perception/Invitation, vor dem Knowledge-Schritt.
- •Wenn die Diagnose klar feststeht und mitgeteilt werden muss.
Wann NICHT?
- •Wenn die Nachricht harmlos ist — sonst dramatisierst du etwas, das es nicht ist.
- •Wenn der Patient bereits offensichtlich vorbereitet ist (z.B. selbst die Diagnose ausgesprochen hat).
So machst du's
- 1Kurzer, klarer Satz: „Ich habe leider keine guten Nachrichten für Sie.“
- 21–2 Sekunden Pause — dem Patienten Raum geben, sich zu sortieren.
- 3Dann erst die eigentliche Mitteilung (siehe `badnews-knowledge`).
- 4Tonfall: ruhig, ernst, mitfühlend — nicht dramatisch.
Beispiele
Frau Müller, ich muss Ihnen leider etwas mitteilen, das schwer ist.
Klare Vorwarnung, kurze Pause danach — der Patient kann sich innerlich sammeln.
Es gibt etwas, das wir besprechen müssen, und ich befürchte, es ist nicht das, was wir uns gewünscht haben.
Etwas weicher formuliert, aber klar als Warnschuss erkennbar.
Also, der Befund ist da — Sie haben Lungenkrebs im Stadium IV.
Kein Warnschuss, direkter Schlag. Das Gegenüber hat keine Sekunde, um sich zu rüsten.
Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sagen soll, ehrlich gesagt fällt es mir auch schwer, und es ist wirklich keine schöne Nachricht, also …
Zu lang, baut unnötig Spannung auf. Das Gegenüber wird nervöser, nicht ruhiger.
Häufige Fallstricke
- •Den Warnschuss überspringen, weil man „direkt sein will“ — wirkt brutal.
- •Zu lange in der Vorwarnung verharren — wirkt zögerlich und macht mehr Angst als die Nachricht selbst.
- •Euphemismen statt klarer Vorwarnung („Es gibt da was Interessantes …“).