Glossar

Glossar Bewertungsdimensionen

Begriffe

Empathie - explorieren und verstehen

Versuchst du, das Relevanzsystem des Gesprächspartners – seine Anliegen, Sorgen, Bedeutungen und Werte – nachzuvollziehen?

Empathie meint hier vor allem die kognitive Fähigkeit, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen und zu verstehen, was für ihn in der jeweiligen Situation bedeutsam ist. Dabei geht es weniger darum, geäußerte Gefühle unmittelbar anzusprechen oder zu spiegeln, sondern darum, die individuelle Sichtweise und innere Logik des anderen zu erfassen. Ein empathisches Gespräch berücksichtigt daher nicht nur die sachliche Ebene, sondern auch die persönlichen Bedeutungen, Erwartungen und Wertvorstellungen, die hinter einer Aussage stehen können. Entscheidend ist die Bereitschaft zum Perspektivwechsel, ohne die eigene Sichtweise mit der des Gegenübers zu verwechseln oder vorschnell eigene Annahmen auf ihn zu übertragen.

Emotionale Validierung - benennen und Raum geben

Werden Emotionen wahrgenommen, benannt und bekommen sie Raum?

Diese Dimension beschreibt den bewussten Umgang mit den Gefühlen des Gegenübers. Emotionen wie Angst, Wut, Trauer oder Unsicherheit sollen wahrgenommen, gegebenenfalls benannt und anerkannt werden. Dazu gehört auch, aufrichtiges Verständnis für die Gefühle zu zeigen, emotionale Aspekte bei Bedarf weiter zu explorieren und schwierige Emotionen auszuhalten, ohne sie sofort durch Ratschläge oder Themenwechsel zu überdecken.

Personenzentrierung - Haltung und Fokus

Steht dein Gegenüber mit seiner Lebensrealität, seinem Tempo und seinen Werten im Mittelpunkt?

Im Zentrum steht eine wertschätzende und akzeptierende Haltung, bei der die Bedürfnisse, die Autonomie und die individuelle Lebensrealität der Person berücksichtigt werden. Dazu gehört, die Beteiligung anzuregen, professionell mit Widerstand umzugehen, Ambivalenzen zu akzeptieren und nicht vorschnell Lösungen anzubieten. Ebenso wichtig ist es, psychosoziale Aspekte einzubeziehen und auf Bevormundung, Belehrung oder moralischen Druck zu verzichten.

Kooperation - teilhaben und mitbestimmen

Wird dein Gegenüber aktiv und gleichberechtigt an Entscheidungen beteiligt?

Kooperation bedeutet, die Person als gleichwertigen Partner in das Gespräch und insbesondere in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Informationen und Optionen werden transparent dargestellt, Bedenken ernst genommen, schwierige Rahmenbedingungen berücksichtigt und Lösungen gemeinsam entwickelt. Unterstützung wird angeboten, ohne sie aufzudrängen.

Partizipation gilt als Schlüssel zu verbesserter Behandlungsqualität und –sicherheit. Das Zeitargument gilt als der häufigste Hinderungsgrund, auf partizipative Gesprächsführung zu verzichten. Allerdings liefert die Studienlage keine Evidenz für diese Belastung (Légaré, Witteman 2013). Deshalb ist folgende These von Popow bedenkenswert: Wenn Parizipation nicht als Einstellung und Prinzip gelebt wird, ist schwieriger zu handhaben als direktives Verhalten“ (Popow 2014: 63).

Gesprächsstrukturierung - Prozess und Struktur

Strukturierst du das Gespräch klar, flexibel und zielführend?

Eine gute Gesprächsstruktur schafft einen nachvollziehbaren roten Faden, gestaltet Themenwechsel verständlich und findet einen guten Abschluss, bei Bedarf mit Zusammenfassung, nächsten Schritten und der Möglichkeit, offene Fragen zu klären. Entscheidend bei einer GEsprächssturkturierung ist die Bereitschaft zur Flexiblität, um das Augenmerk auf das Relevante eines Gesprächs zu richtigen und nicht auf das, was eine perfekte Struktur ausmacht.

Informationsvermittlung - Qualität von Information und Rat

Ist dein Informationsverhalten angemessen — gute Information, wenn sie dran ist, und Zurückhaltung, wenn nicht?

Eine gute Informationsvermittlung orientiert sich am Vorwissen und am Informationsbedarf des Gegenübers. Informationen werden verständlich, dosiert und zum richtigen Zeitpunkt vermittelt. Auch schwierige Inhalte werden angemessen angekündigt, das Verständnis wird überprüft und Rückfragen werden ermöglicht. Vor- und Nachteile werden sachlich und ausgewogen dargestellt, konkrete Fragen direkt beantwortet und Empfehlungen so formuliert, dass sie im Alltag anschlussfähig und schrittweise umsetzbar sind. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Informationen zu geben, sondern die richtige Information zur richtigen Zeit in einer passenden Form.

Zur Begriffsübersicht

Literatur

  • Cuff, B. M. P., Brown, S. J., Taylor, L., & Howat, D. J. (2016). Empathy: A review of the concept. Emotion Review, 8(2), 144–153. https://doi.org/10.1177/1754073914558466
  • Gaesser, B. (2013). Constructing memory, imagination, and empathy: A cognitive neuroscience perspective. Frontiers in Psychology, 3, 576. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2012.00576
  • Hein, G., & Schmitt, N. (2025). Empathie entwickeln und erhalten: Pflege zwischen Zuwendung und Selbstfürsorge. CNE.fortbildung, 18, 2–16.
  • Légaré, f. U. Witteman, h.o. (2013): Shared decision making: examining key
  • elements and barriers to adoption into routine clinical practice. In: Health Affairs, Jg. 32, H. 2: 276–284.
  • Neumann, M., Scheffer, C., Tauschel, D., Lutz, G., Wirtz, M., & Edelhäuser, F. (2012). Physician empathy: Definition, outcome-relevance
  • and its measurement in patient care and medical education. GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung, 29(1), Doc11. https://doi.org/10.3205/zma000781
  • Popow, C. (2014): Therapie als Partizipationschance. In: Paediatr Paedolog, Jg. 49: 62-67.