Werte des Gegenübers erfragen (SDM)
Auch: Patientenwerte, Decision Talk, Werte
TL;DR
Was ist diesem Menschen im Leben wichtig? Bei gleichwertigen Optionen entscheiden persönliche Werte über die richtige Wahl.
Worum geht's?
Dritter Schritt im SDM (auch „Decision Talk“). Wenn fachlich mehrere Wege gleichwertig sind, wird die Entscheidung auf der Werteebene getroffen: Was ist dem Gegenüber im Alltag wichtig — Funktionserhalt, Selbstständigkeit, Berufsfähigkeit, Sicherheit, möglichst wenig Belastung?
Wann einsetzen?
- •Bei lebensstilabhängigen Entscheidungen.
- •Wenn fachlich mehrere Optionen vergleichbar gut sind.
- •Bei langfristigen Vereinbarungen mit Trade-offs.
Wann NICHT?
- •Bei eindeutigen fachlichen Empfehlungen.
- •Bei Notfällen.
So machst du's
- 1Offen fragen: „Was wäre Ihnen bei dieser Entscheidung am wichtigsten?“
- 2Konkrete Lebensbereiche ansprechen: Beruf, Familie, Hobbys, Mobilität.
- 3Ängste und Sorgen explizit benennen lassen.
- 4Werte zurückspiegeln, bevor Sie zur Entscheidung kommen.
Beispiele
Arzt
Bevor wir uns für einen Weg entscheiden — was wäre Ihnen im Alltag besonders wichtig? Möglichst wenig Klinikaufenthalte? Schnellstmögliche Rückkehr ins Berufsleben? Sicherheit?
Häufige Fallstricke
- •Nach Werten fragen, aber sie in der Empfehlung nicht berücksichtigen.
- •Eigene Werte unbewusst unterstellen.
Verwandte Einträge
Optionen präsentieren (SDM)
Echte Wahlmöglichkeiten klar und ausgewogen darstellen — auch die Option „abwarten“ oder „nichts tun“ gehört in der Regel dazu.
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Evokation (MI-Spirit)
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