Stille / Schweigen
Auch: Pause, Schweigen
TL;DR
Bewusst eingesetzte Pausen geben Raum zum Nachdenken, Fühlen und Sortieren — gerade nach schwierigen Nachrichten oft wirkungsvoller als jedes Wort.
Worum geht's?
Stille ist eines der unterschätztesten Werkzeuge der Gesprächsführung. Drei bis sieben Sekunden ohne Worte fühlen sich für Fachpersonen lang an — für das Gegenüber sind sie ein Geschenk: Zeit, das Gehörte zu verarbeiten, eigene Gedanken zu finden, Tränen kommen zu lassen. Wer Stille aushält, signalisiert Sicherheit und Akzeptanz.
Wann einsetzen?
- •Direkt nach dem Überbringen schwerer Nachrichten.
- •Nach emotionalen Aussagen, bevor Sie reagieren.
- •Wenn das Gegenüber sichtbar nachdenkt oder mit sich ringt.
- •Nach offenen Fragen, um Antwortzeit zu geben.
Wann NICHT?
- •Wenn Stille Verunsicherung statt Reflexion auslöst (z. B. bei Menschen, die klare Führung erwarten).
- •Wenn eine konkrete Frage offen im Raum steht und Antwort erwartet wird.
So machst du's
- 1Bewusst zählen: nach einer schwierigen Nachricht mindestens 5 Sekunden warten, bevor Sie weitersprechen.
- 2Nonverbale Präsenz halten: Blickkontakt, ruhige Atmung, zugewandte Haltung.
- 3Stille verbal markieren, wenn nötig: „Lassen Sie sich Zeit.“
Beispiele
Arzt
Es ist Krebs. … (5 Sekunden Pause) …
Die Pause ist hier kein Versagen, sondern Raum.
Häufige Fallstricke
- •Stille mit Phrasen füllen („Das wird schon …“) statt sie wirken zu lassen.
- •Stille zu schnell mit der nächsten Frage durchbrechen.
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