Empfehlung transparent einbringen
Auch: ärztliche Empfehlung SDM
Patient darf nach einer Empfehlung fragen — und darf sie auch bekommen. Wichtig: transparent als Empfehlung kennzeichnen, mit Begründung, ohne andere Optionen zu entwerten.
Worum geht's?
Es ist ein Missverständnis, dass SDM bedeutet, ärztliche Empfehlungen zu vermeiden. Im Gegenteil: viele Patient:innen wünschen sich Orientierung. Wichtig ist die Form — die Empfehlung wird klar als solche benannt, mit Begründung, mit Respekt vor anderen Wahlmöglichkeiten und der finalen Entscheidung des Patienten.
Wann einsetzen?
- •Wenn der Patient explizit nach einer Empfehlung fragt.
- •Wenn der Patient unsicher und ratlos wirkt und Orientierung braucht.
- •Wenn aus medizinischer Sicht eine Option deutlich besser ist.
Wann NICHT?
- •Wenn der Patient bereits klar entschieden hat — dann respektieren.
- •Bei rein präferenzsensitiven Entscheidungen ohne medizinischen Vorrang.
So machst du's
- 1Klar als Empfehlung kennzeichnen: „Wenn Sie meine Empfehlung möchten …“
- 2Begründung mitliefern: warum diese und nicht andere.
- 3Andere Optionen nicht entwerten.
- 4Final-Entscheidung explizit bei Patient lassen: „Letztlich entscheiden Sie.“
Beispiele
Was würden Sie mir empfehlen?
Wenn Sie meine Empfehlung möchten: in Ihrer Situation würde ich zu Option B tendieren — wegen Ihrer aktuellen Belastung im Beruf. Aber Option A ist medizinisch genauso gut, und letztlich ist es Ihre Wahl.
Transparent als Empfehlung, mit Begründung, andere Option nicht entwertet, Entscheidung beim Patienten.
Sie machen am besten Option A. Punkt.
Paternalistisch, ohne Begründung, andere Wahl impliziert falsch.
Das kann ich Ihnen nicht sagen, das müssen Sie selbst entscheiden.
Lässt den Patienten allein. SDM heißt nicht, ärztliche Verantwortung abzugeben.
Häufige Fallstricke
- •Empfehlung als implizit vorgeben („Eigentlich machen wir das immer so“).
- •Empfehlung verweigern, weil man „nicht beeinflussen“ will.
- •Andere Optionen abwerten, um die eigene Empfehlung zu rechtfertigen.