Präferenzsensitives Entscheiden
Auch: Preference Sensitive Decision
Bei medizinisch gleichwertigen Optionen entscheiden persönliche Werte — nicht die Evidenz. Hier zählt: Was ist DIESEM Patienten wichtig? Welche Trade-offs ist er bereit einzugehen?
Worum geht's?
Manche Entscheidungen sind „präferenzsensitiv": medizinisch gibt es mehrere gleichwertige Wege, die Wahl hängt davon ab, was dem Patienten wichtig ist (Lebensqualität, Familie, Beruf, Risikobereitschaft). Hier wäre eine ärztliche Empfehlung paternalistisch — die Werte der Patientin sind die ausschlaggebende Information.
Wann einsetzen?
- •Bei mehreren medizinisch gleichwertigen Optionen.
- •Wenn Trade-offs werteabhängig sind (z.B. Brusterhalt vs. höhere Sicherheit).
- •Bei chronischen Erkrankungen mit mehreren Therapieoptionen.
Wann NICHT?
- •Bei klarer medizinischer Empfehlung mit deutlichem Vorteil einer Option.
- •Bei Notfällen — dort entscheidet die akute Lage.
So machst du's
- 1Trade-offs benennen: „Bei A haben Sie X, dafür ist Y nicht so gut. Bei B umgekehrt.“
- 2Nach Werten fragen: „Was ist Ihnen wichtig in der Zeit nach der Behandlung?“
- 3Klar machen: bei Werten gibt es kein „richtig" oder „falsch".
- 4Eigene Empfehlung zurückstellen — nur einbringen, wenn ausdrücklich gewünscht.
Beispiele
Beide Optionen sind medizinisch sehr gut. Welche besser zu Ihnen passt, hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist — kurze, intensive Behandlung mit schneller Erholung, oder verteilter und sanfter, aber länger?
Trade-off klar gemacht, ohne Bewertung. Patient bekommt die Information, die für seine Wahl zählt.
Aus medizinischer Sicht sind beide gleich gut. Was Ihnen wichtiger ist — schnell zurück in den Beruf oder weniger Nebenwirkungen — entscheiden Sie.
Werteabhängige Wahl explizit benannt.
Ich würde an Ihrer Stelle Option A nehmen — das ist die modernere Therapie.
Bei präferenzsensitiver Entscheidung nicht eigene Wahl unterschieben — die Werte des Patienten zählen.
Häufige Fallstricke
- •Eigene Präferenz als „medizinisch besser" verkaufen.
- •Bei Unsicherheit des Patienten zur eigenen Wahl drängen.
- •Werteabhängigkeit der Entscheidung gar nicht erst benennen.