Deliberation unterstützen
Auch: Bedenkzeit, Abwägung begleiten
Wenn der Patient ambivalent ist: Raum geben zum Abwägen, nicht zur Entscheidung drängen. Manchmal ist die hilfreichste Frage „Was würde Ihnen helfen, das gut für sich zu entscheiden?“
Worum geht's?
Deliberation ist die Phase zwischen Information und Entscheidung — das innere Ringen mit den Optionen. Sie braucht Zeit, manchmal mehrere Gespräche. Die Aufgabe der Fachperson ist nicht, sie zu beschleunigen, sondern den Prozess so zu unterstützen, dass eine wirklich tragfähige Entscheidung möglich wird.
Wann einsetzen?
- •Wenn Unsicherheit oder Ambivalenz sichtbar wird.
- •Bei schwierigen, langfristigen Entscheidungen.
- •Wenn Patient zwischen mehreren Optionen schwankt.
Wann NICHT?
- •Bei akutem Handlungsbedarf, wo Zeit knapp ist.
- •Wenn Patient bereits klar entschieden hat — dann nicht durch zu viel Bedenken-Stiftung erneut verunsichern.
So machst du's
- 1Ambivalenz benennen: „Ich höre, dass Sie hin- und hergerissen sind.“
- 2Keine Zeitnot vermitteln — wenn medizinisch möglich, Bedenkzeit anbieten.
- 3Fragen, die helfen: „Was spricht für A? Was für B? Was wäre, wenn Sie sich falsch entscheiden?“
- 4Konkrete Hilfe: Pro/Kontra-Liste, Bedenkzeit, Rücksprache mit Familie.
Beispiele
Sie scheinen unsicher zu sein. Möchten Sie heute schon entscheiden — oder hilft es, wenn ich Ihnen die Punkte schriftlich mitgebe und wir uns nächste Woche nochmal sehen?
Bedenkzeit aktiv angeboten, Druck rausgenommen.
Was würde Ihnen am meisten helfen, das jetzt für sich zu entscheiden?
Patient in den Prozess einbezogen, nicht zum Ergebnis gedrängt.
Wir müssen jetzt entscheiden, dafür sind wir hier — also was machen wir?
Druck statt Begleitung. Entscheidungen unter Druck sind oft nicht tragfähig.
Häufige Fallstricke
- •Bedenken als Schwäche werten („Sie müssen sich jetzt entscheiden“).
- •Eigene Meinung vorschnell einbringen, sobald der Patient zögert.
- •Endloses Aufschieben ohne Strukturierung.