Reflektionen (OARS)
Auch: Spiegeln, Reflections, Reflektives Zuhören
Das Gehörte in eigenen Worten zurückgeben — entweder einfach (Inhalt) oder komplex (Gefühl/Bedeutung dahinter). Das Herzstück des MI.

Worum geht's?
Reflektionen sind das R in OARS und das wichtigste Werkzeug des MI. Eine einfache Reflektion gibt den Inhalt sinngemäß zurück. Eine komplexe Reflektion benennt das, was zwischen den Zeilen mitschwingt — die Emotion, die Bedeutung, die Ambivalenz. Faustregel: 2–3 Reflektionen pro offener Frage.
Wann einsetzen?
- •Nach jeder Aussage, die mehr als eine reine Sachinformation enthält.
- •Bei Emotionen — komplexe Reflektion auf das Gefühl.
- •Bei Ambivalenz — beide Seiten spiegeln („einerseits … andererseits …“).
- •Statt Fragen, wenn das Gespräch zu „abgefragt“ wirkt.
Wann NICHT?
- •Wenn das Gegenüber klare Information wünscht — dann antworten Sie.
- •Wenn das Reflektieren mechanisch wird (Papagei-Effekt).
So machst du's
- 1Einfache Reflektion: in eigenen Worten den Inhalt wiedergeben.
- 2Komplexe Reflektion: die mutmaßliche Emotion oder Bedeutung benennen.
- 3Aussage-Form, keine Frage („Sie sind besorgt …“ statt „Sind Sie besorgt?“).
- 4Wenn die Reflektion daneben liegt: das Gegenüber korrigiert — auch das ist ein Gewinn.
Beispiele
Ich nehme die Tabletten, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde dadurch nur abhängig.
Sie sind hin- und hergerissen — einerseits hilft die Therapie, andererseits beunruhigt Sie die Vorstellung, dauerhaft Medikamente zu brauchen.
Komplexe Reflektion: Ambivalenz wird benannt, nicht aufgelöst.
Häufige Fallstricke
- •Wortwörtlich wiederholen statt sinngemäß spiegeln.
- •Die Reflektion als Frage formulieren — nimmt ihr die Wirkung.
- •Bei Ambivalenz nur eine Seite spiegeln.
Abzugrenzen von
Paraphrasieren ist die einfache Reflektion — komplexe Reflektion geht weiter und benennt das Gefühl.