Shared Decision Making (SDM)
Partizipation gilt als Schlüssel zu verbesserter Behandlungsqualität und -sicherheit. Das Zeitargument gilt als der häufigste Hinderungsgrund, auf partizipative Gesprächsführung zu verzichten. Allerdings liefert die Studienlage keine Evidenz für diese Belastung (Légaré, Witteman 2013). Deshalb ist folgende These von Popow bedenkenswert: „Wenn Partizipation nicht als Einstellung und Prinzip gelebt wird, ist sie schwieriger zu handhaben als direktives Verhalten“ (Popow 2014: 63).
Shared Decision Making ist ein Prozess, in dem Fachperson und Patient:in und/oder anvertraute Personen gemeinsam eine gesundheitliche Entscheidung treffen, insbesondere dann, wenn mehrere medizinisch vertretbare Optionen bestehen und deren Bewertung von individuellen Zielen, Werten und Präferenzen abhängt. Ein bedeutsamer Unterschied zum Konzept des „informed consent“ besteht darin, dass der Fokus nicht allein auf einer evidenzbasierten Informiertheit der Patient:innen liegt. Vielmehr soll auch die konkrete Lebenssituation und die jeweiligen Einstellungen, Werte etc. adressiert werden, um eine tatsächlich tragfähige Entscheidungsbasis mit mehr Aussicht auf Adhärenz zu erreichen.